Die „Erkunder“ Ausrüstung

Neben der fotografischen Ausrüstung, gibt es, sofern ich auf Tour gehe, auch noch andere Dinge die ich leider mit mir herumschleppen muss. Wieso ich leider schreibe? Es ergibt sich aus dem Umstand heraus, dass ich teils einige Meter hinter mich bringen muss, um die erwünschten Objekte ablichten zu können.

Die elitären Urban Explorers bei der Arbeit / By DrAlzheimer [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
So bin ich also, als ehemaliger Zivi mit Rückenschaden, zum Schleppen von 15-20 Kg verdonnert und das auch noch auf längere Zeit und quer durch den Acker. Hurra! Dafür habe ich mich gemeldet!
Sollte man sich nun jedoch fragen, wieso ich Depp nicht einfach etwas näher parke: Nichts schreit mehr „Dummheit“, als ein Auto vor einer verlassenen Anlage, die man natürlich nur von öffentlichem Grund aus fotografieren möchte…
So gibt es die lustigsten Geschichte über das Schloss Noisy, illegale Besucher und Autos, welche diesen Besuchern gehörten und direkt vor dem Schloss parkten, als sich jene ungebetenerweise im Schloss aufhielten.
Da lacht der Ordnungshüter und staunt der Fachmann.

P.S.: Alle Links, die mit einem Sternchen versehen wurden, führen zu Amazon und würden, bei erfolgter Bestellung, mir ein paar Kröten gewähren – Ohne dass ihr dadurch einen Nachteil hättet.

Was braucht man also wirklich für das befreiende, mittlerweile aber abgedroschene Massenhobby „Urban Exploration“?

– Einen Begleiter! Nichts ist so wichtig wie die Person, die mit dir eine verlassene Schlossruine erkundet und dich notfalls aus irgendetwas heraus schleift, oder zumindest jemanden anruft der das kann.

– Handy! Zwar hat man nicht immer und überall Empfang, aber lieber Handy dabei, als Handy daheim und man selbst in tiefster Scheisse/Bärenfalle/Kofferraum befremdlicher Menschen steckend. Dass man mit modernen Smartphones auch GPS Tracker und Co. dabei hat… lassen wir es mal als Randbemerkung so stehen. Im Einsatz befindlich: Ein Samsung Galaxy S3*, dessen OLED Display langsam erste Zeichen des Einbrennens aufzeigt (wie früher bei den Röhrenbildschirmen, oder auch einst bei Plasmabildschirmen), in Verbindung mit der grandiosen App „Locus Map Pro

– Lampen, bzw. Licht! Nichts erscheint dämlicher, als jemand der mit seinem Handy versucht einen kleinen Trampelpfad im Dunkeln auszuleuchten, weil er über das Fotografieren die Dämmerung verpennt und die 5 km Fußweg durch den Wald vergessen hat (die Gesamtausstattung kommt dabei auf das Ziel an, aber insgesamt im Einsatz befindlich: 1xFenix HP11*1xLitexpress Camp 201*und diverse Chinalämpchen, plus Knicklichter diverser Fabrikate)
Update: Zur Lichtsammlung ist die Fenix TK45* hinzugekommen. Warum ausgerechnet jene? Weil diese kleine, schicke Lampe tatsächlich noch mit regulären Akkus (Mignon AA – bei mir immer Eneloops* die mit dem BC-700* geladen werden) funktioniert und keine Sonderbehandlung braucht.

– Sicherheitsstiefel! Ja, natürlich schwer überbewertet und mit Sandalen kann man auch durch Ruinen wandern, zur Not auch Barfuß, aber weder schätze ich Glas in der Fußsohle, noch erzeugt Scheisse diverser Tiere/Menschen zwischen meinen Zehen besondere Wonnegefühle. Abgesehen davon, besitze ich durch meine Rettungsdienstzeit noch ein exquisites Paar und nutze sie dadurch noch – auch wenn sie im Paar (und je nach Modell) ihre 3-5 Kg auf die Waage bringen (die hier sind leichter, von Haix und haben Sicherheitsklasse 3 – Schuhporno pur:Haix S3 Airpower X21 H*).

– Handschuhe! Kaum etwas ist so toll wie Handschuhe, wenn man irgendwo herumdüst wo der Schimmel Partys feiert und der Flaum auf dem Handlauf der Treppe eigene Gedanken zum NSA Skandal hegt. Im Winter halten sie gemütlich warm, im Sommer helfen sie, wenn man sich mal irgendwo festhalten möchte, oder ein paar Dörnchen beiseite schiebtKurzum: Handschuhe gehen immer. Selber habe ich fingerlose Baumwollhandschuhe*, oder Handschuhe mit Schnittschutzfläche* – je nach Bedarf und Witterung. Ersatzweise helfen aber auch schon Nitrilhandschuhe* über den größsten Ekel hinweg.

– Desinfektionsmittel! Ja, ich werde zur Muschi. War ich doch früher ein knallharter Rettungsassistent, der ohne Handschuhe die Stückchen anderer Leute Frühstücks aus den Ritzen der Auflage einer RD Trage herausfingerte (danke Ferno, für diese tolle Ritze zwischen Körper- und Kopfbereich!), so benutze ich mittlerweile auch Handschuhe und Desinfektionsmittel. Was da zu beachten wäre? Desi* (ganz liebevoll so genannt) ist in seiner Wirkung, für eure sensible Haut, in etwa vergleichbar mit dem Einfall der Wikinger/Mongolen/Hunnen für die Mitteleuropäer der Vergangenheit (nein, die kamen früher nicht als Studenten zu uns). Sie killt, bei fachgerechter Anwendung, also nicht nur die bösen Bakterien und deaktiviert Viren, bzw. verhindert die Happy-Hour für die kleinen Fungis, sondern hinterlässt auch nach regelmäßiger Anwendung eine Haut, mit der man problemfrei Eisen polieren kann. Muss man mit leben.

– Gesunder Menschenverstand! In der Geschichte der Menschheit, die lange und fast durchgängig unerfreulich ist (sofern man modernen Moralvorstellungen anhaftet), gibt es eine nie enden wollende Sammlung von Beispielen, was kluge Männer, mit gesundem Menschenverstand, alles so erreichen konnten. Hin und wieder auch längerfristig am Leben zu bleiben, oder nebenbei ein paar Weltreiche zu gründen. Für uns soll es reichen wenn wir nicht auf total verrostete Metalltreppen schlurfen, ohne Orientierungshilfen in Bergwerke/Höhlen stürmen und die Finger von gelbem Schnee lassen. Jetzt noch einmal ernsthaft: Lasst es bitte 30 Jahre alte, mit lustigem Inhalt gefüllte Flaschen mit ehemaligem Trinkfrühstück zu öffnen, durch noch im Betrieb befindliche Abwasserkanäle zu krabbeln, Kellerfenster hinunterzuspringen… Ein menschlicher Körper ist nicht so grandios stabil wie im Film und Fernsehen gezeigt! Es dauert verhältnismäßig lange zu verrecken, aber es geht richtig super duper schnell 6 Monate im Krankenhaus + die nachfolgende Reha zu buchen.

Was man jedoch ultimativ nicht braucht…

– Tarnfleck von oben bis unten. Ganz ehrlich: WTF?! Warum? Wofür? Welchen Sinn hat es für euch? Vielleicht mal ein Teil, weil es robust und billig ist, doch in Volltarn? Ist die Unterhose ebenfalls gefleckt (beabsichtigt)?

– Einen Sanitätskasten, der in 100 Ländern dieser Welt gegen Betäubunsgmittelgesetze verstößt. Wenn ich in Cheratte einfalle, möchte und brauche ich kein Fentanyl, Ketamin, Dormicum und auch keine Tuben in diversen Größen. Die mögliche und notfalls nötige Erklärung, die man einer Gruppe von Ordnungshütern hierüber abzugeben hat, würde für viele schon zur spontan eintretenden Vollnarkose sorgen.

– Messer, Schraubenzieher, Brechstangen, Brenner… Ohne Worte.

– Riesiges Ego. Nein, ich interessiere mich wirklich nicht für eure krassen Aktionen, oder eure geheimen Orte, die ihr mir aber nicht zeigen werdet weil ihr mich noch nicht gut genug kennt. Auch eure Connections zur Presse, eure tollen Jobs, eure persönlichen Vorstellungen davon, wie ich mein Hobby zu betreiben habe, interessieren mich nicht. In welchen Ländern ihr schon wart, welche brutalen Polizisten ihr schon abgehängt habt und welche Förster ihr veräppeln konntet… nope, fetzt mich nicht vom Besen.
Auch die 5000 Locations auf eurer Map interessieren mich nicht. Erstaunlich, ich weiß.

 

Sollte jemand noch Anmerkungen hier zu haben: sfaber@outlook.com – ich freue mich über jede Meinung :-)

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