Was ist Urbex?

Urbex, ein Modewort, definiert die Erkundung des „urbanen Raums“ (Urban Exploration). Was sich so hochtrabend anhören mag, nach Abenteuer, Spannung und ein wenig nach Indiana Jones für gelangweilte Stadtkinder, ist aber im Grunde von jedem der Punkte so rein gar nichts. Urbex ist fast schon ein Schmähwort geworden – Urbexer eine Beleidigung.

Urbex, so einst der Hintergedanke, sollte die Neugierde beschreiben, die jeden von uns packt wenn es um die große Frage geht: „Was ist eigentlich dahinter?“. Es sollte zusammenfassen, was Menschen in nicht öffentlich zugängliche Kanalsysteme treibt, dazu bringt alte Bunker zu suchen, die nirgends mehr dokumentiert sind, die in leerstehende Fabriken, mitten in der Stadt, klettern, die auf Brücken steigen – um von dort herunterzublicken. Es sollte alle Tätigkeiten zusammenfassen, die sich darum drehen irgendwohin zu kommen, wo man normalerweise eben nicht hinkommen soll.

Irgendwie sollte es die Tätigkeit erfassen, die man als „Rückeroberung“ seiner Umgebung verstehen könnte. Die Besinnung auf etwas ganz instinktives, für den Menschen gesundes: Die Neugier und die damit verbundene Möglichkeit der Erkundung seines Lebensraums – der für viele Menschen heute in einer eigentlich unnatürlichen Form existiert; gepflastert, betoniert, kartographiert.


Zusammenfassend kann man also einfach sagen: Urbex bezieht alles ein, was sich als Erkundung bezeichnen darf.

Leider (ab hier beginnt der subjektive Part) ist aber eine „Scene“ aus dem ganzen erwachsen, die sich ganz besonders durch ihre negative Art hervortut. Weltweit. Was einmal als Projekt voller Wissens- und Erfahrungsdurst einiger Weniger begann, teils ungenannt und unbekannt, mutierte in den letzten Jahren zu einem Wettbewerb um die meisten Orte, die „verrücktestens“ Bilder und andere Ausfälle…

Eine Präsentation der Bilder eines Ortes, umrahmt von erweiterten Informationen, ist so mittlerweile nicht mehr möglich, da diese Orte somit über Suchmaschinen viel zu leicht auffindbar wären. Gleiches gilt für Außenaufnahmen. So dient Schweigsamkeit dem Schutz, da leicht auffindbare Orte auch leichte Beute sind, die geplündert und zerstört wird. Die Unberührtheit eines Ortes existiert nur so lange, wie keiner von ihm weiß – weil Menschen nun einmal Menschen sind (und diese Spezies nur selten durch vernunftbegabte Handlungen auffällt).


So sehe ich mich auch nicht als einen Urbexer, weil ich an diesem „Wettstreit“ (der keinen Sieger kennt) nicht teilnehme. Ich kenne einen gewissen Part von Menschen aus der Scene, ich kenne Schatten und Licht und ich weiß darum, dass es vielen mittlerweile nur noch um Geld und Bekanntheit geht.

Wenn es darum geht, seine persönlichen 15 Minuten zu erhalten – ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.

Dies ist nicht meine Art, nicht mein Verständnis. Ich dokumentiere meine Sicht auf einen Ort, erfasse sie dabei mit Kamera und Text und versuche nach bester Möglichkeit denen etwas zu bieten, die sich die Zeit nehmen und meine Beiträge durchlesen und so mit mir auf Reise gehen wollen.

Mein Urbex ist auch immer eine Reise der persönlichen Art. Der Ort wirkt auf mich, so wie ich auf meine Fotos einwirke und so der Stimmung anpasse.

So hoffe ich einfach nur, dass Ihnen gefällt, was Sie hier zum Thema „Urbex“ geboten bekommen – Nehmen Sie sich die Zeit, lassen Sie sich darauf ein und vielleicht schreiben Sie mir eine E-Mail mit Anregungen und Ideen, mit Kritik oder Beleidigungen. Es fällt Ihnen sicherlich was ein, was Ihnen auf dem Herzen liegt.

 

 

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