Chinafood

Glaubt man irgendwann nach vielen, vielen Touren, dass es immer nur die aufgegebenen Wohnhäuser, Industriebrachen oder die üblichen, geschlossenen Bordelle in ehemaligen Bunkern sind, die darauf warten besucht und erkundet zu werden, überrascht einen Morbus Belgicum dann doch wieder einmal auf’s Neue mit einer speziellen Präsentation seiner Krankheit: Ein schnuckeliges Chinarestaurant, mit angeschlossenem Wohnheim/Arbeitslager für die Angestellten, wo es einst eine Unzahl an Leckereien aus aller Herren Länder und von allen Wesen aus der Nahrungskette gab (Nummer 43 reicht von Meerschwein, bis hin zur gebratenen, pelzigen „Überraschung“ von der örtlichen Autobahn).

Dass dieses Objekt inmitten einer recht wohnlichen Ecke des belgischen Randlandes lag, verwundert hingegen in keinster Weise – wie schon so oft erlebt, liegt hier Armut und Reichtum dicht beieinander, gibt sich friedlich die Hand bis zur nächsten Revolution und ignoriert sich ansonsten über den Alltag hinweg. Augenscheinlich existiert soetwas wie eine Gentrifizierung wohl nur in Deutschland, wo die kleinen SUV Fahrer (BMW X5 in der Innenstadt – reines Vernunftsauto) sich mal eben einen sozialen Brennpunkt kaufen, um die Steuer etwas sinnvoller als sonst absetzen zu können. Oder anders formuliert und als Zitat von Wikipedia: „[…]dass die ansässige Bevölkerung nach und nach durch eine wirtschaftlich leistungsfähigere Klientel ersetzt wird[…]“

wirtschaftlich leistungsfähigere Klientel

Das schallt nach und ist richtig lecker auf der Zunge. GEIL. Da möchte man doch direkt seinen Mageninhalt der Umwelt zur Verfügung stellen (frei nach Liebermann).

Wie dem aber auch sei: Augenscheinlich haben weder die gute Lage, noch die guten Preise zum Erhalt dieses Kleinods beigetragen und wie so oft, war ich wohl auch hier zu spät um die kleinen Highlights einzufangen; ein Schiff aus Jade (so sah es immerhin aus) fehlte, einige andere Objekte eben so und ich schätze, dass der nächste Trödelmarkt in der Umgebung sehr asiatisch aufgestellt sein dürfte.

Übrigens: 39 Fieber und eine explodierende Nase stellten die Taschentücher, wie auch meine Begleiter, vor ernsthafte Belastungsproben. Danke nochmal für euer Verständnis ;-)

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